Pop und Populismus

Farid Bang und Kollegah waren trotz massiver Kritik für den Echo-Preis für ihr Album Jung, brutal und gut aussehend 3 in der Kategorie "Hip Hop/Urban" nominiert und gewannen diesen Preis.

In ihren Texten kommen Zeilen wie „und wegen mir sind sie beim Auftritt bewaffnet / mein Körper definierter als von Ausschwitzinsassen“ vor. Der Echo-Beirat verteidigte die Preisvergabe mit der „künstlerischen Freiheit“. In der Folge aber gaben mehrere mit diesem Preis ausgezeichnete Künstler ihren Echo aus Protest gegen diese Entscheidung zurück. Eine Woche danach, nach massiver Kritik und nach Einstellung von Sponsorverträgen, beendete die Bertelsmann Music Group die Zusammenarbeit mit den beiden Hip Hoppern und spendete € 100.000,- für die Arbeit gegen den wachsenden Antisemitismus in Deutschland. Der Echo wurde nach diesem Skandal vom Bundesverband der deutschen Musikindustrie abgeschafft.

Ein Beispiel aus dem Buch Pop und Polulismus. Der Autor Jens Balzer untersucht darin, ob die Texte in der Popkultur aggressiver und hasserfüllter werden und sieht eine Verbindung zur aktuellen politischen Kultur.

Die Freiheit der Kunst ist notwendig, dennoch darf die Sprache nicht verrohen und brutalen Sexismus oder Aufforderung zur Gewalt beinhalten.

Viele weitere Beispiele werden in diesem interessanten Sachbuch angeführt: So wurde etwa Kesha von ihrem Manager sexuell missbraucht. Nach einer fünf Jahre langen Auszeit feierte sie ihr Comeback bei den Grammys mit ihrem Song „Praying“, welcher zur Hymne für die #metoo-Kampagne wurde.

Eines der vielen negativen Beispiele ist Bushido. Dieser brachte den Gangsta-Rap erfolgreich nach Deutschland und begeistert tausende Fans mit Zeilen wie „Ihr wollt Romantik, ich ficke mit der Faust / Ich mag es, wenn du weinst, komm Nutte, bounce“. Die Konzerthallen sind jedoch nicht mit entflohenen Sträflingen gefüllt, sondern mit ganz normalen Jugendlichen, Studierenden und Bravo-Leserinnen und -Lesern. Hier stellt sich die Frage, wie dies zusammenpasst, dass alle jubeln und begeistert johlen, wenn auf der Bühne „Nutte bounce“ gebrüllt wird.

Ich kann dieses Buch wirklich jedem weiterempfehlen. Viele interessante Fakten waren mir unbekannt, obwohl ich sehr musikinteressiert bin und fast alle erwähnten Sängerinnen und Sänger kenne. In einigen Bereichen hat es mich sehr zum Nachdenken angeregt und ich werde in Zukunft genau auf Texte und das Verhalten von Künstlerinnen und Künstlern achten. (Lilly Schöchtner, 7a)