Geschichten aus der Dorfidylle

 

Die folgenen Texte verfassten die Schülerinnen und Schüler im Rahmen von Petra Piuks Schreibwerkstatt. Sie entstanden innerhalb einer Schulstunde und nehmen in satirischer Weise auf die Handlung und die Personen des Romans Toni und Moni Bezug.

 

Zehn Jahre später: "Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“

Vorwort - In einem Heimatroman folgt auf das Happy End ein langes und glückliches Beisammensein: „Bis dass der Tod euch scheidet“

Verschwommenes Bild. Kopfschmerzen. Unverständliches Lallen.„Kellner, nächste Runde!“

Nach einem ausgelassenen Abend kommt Toni zu seiner geliebten Moni nach Hause. „Moni-Maus, heit ziagt di da Toni aus!“

„Toni, das vierte Mal diese Woche und wir haben erst Mittwoch. Ich kann nicht mehr!“

Klatsch.„Sei ruhig! Ich bin der Herr im Haus!“

Moni stürmt mit roter Wange und tränenden Augen aus dem Haus.

„Drecksweib!“ Toni krallt sich eine Schnapsflasche und lässt sich in den Wohnzimmersessel sinken. „Sois spinna, dann geh i hoid wieda zum Wirtn.“

Torkelnd und mit unverständlichem Gegröle verlässt Toni das Haus in Richtung Stammtisch. „Durchn Boch bin i schnölla.“

Gesagt, getan. Und so verschwand der Berauschte in der Rauscher. Und wenn er nicht gestorben ist, dann (er)trinkt er auch noch heute.

(Von Elias Kopitschek, Klemens Garnhaft und Manuel Hauer, 8b)

 

Zehn Jahre später

Zum Mittagessen gibt es Mais. Während Moni isst, erinnert sie der Geruch an ihre Vergewaltigung im Maisfeld. Im Laufe der Jahre hat sich das kleine Dorf jedoch weiterentwickelt. Moni ist sich bewusst, dass ihre Vergewaltigung nicht in Ordnung und leider auch kein Einzelfall war. Da wird ihre Aufmerksamkeit auf eine Bewegung am Fenster gezogen. Dort steht Toni, halb versteckt hinter einer Maispflanze.

Vor Schreck verschluckt sich Moni an einem Maiskorn. Sie bekommt keine Luft mehr und fällt vom Stuhl.

Als Toni das sieht, schlägt er, ohne nachzudenken, mit einer Maispflanze die Glasscheibe ein, um die Liebe seines Lebens zu retten. Sofort versucht er sie dazu zu bringen, das verschluckte Maiskorn wieder auszuspucken. Jedoch ohne Erfolgt.

Auf Verzweiflung und Traurigkeit nimmt er sich das Küchenmesser und sticht es sich direkt ins Herz. Er stirbt und fällt auf Monis Bauch. Wegen des Aufpralls spuckt sie das Maiskorn aus. Sie ringt noch nach Luft, als sie bemerkt, dass ihr Verehrer tot auf ihr liegt. Sie schiebt ihn von sich und steht auf. Sie freut sich, da sie ihr Vergewaltiger nun endlich nicht mehr an den furchtbaren Vorfall erinnern kann.

Vor Freude fängt Moni an zu tanzen. Aus Unachtsamkeit steigt sie dabei auf das zuvor ausgespuckte Maiskorn und rutscht darauf aus. Sie fängt sich jedoch noch. Auf dem Boden liegt immer noch die Maispflanze, mit der Toni das Fenster eingeschlagen hat. Leicht schwankend, tritt Moni auf einen Maiskolben. Dieser rutscht unter ihrem Fuß weg. Moni knallt auf die Tischkante und bricht sich das Genick.

(Von Ulli Winter, Guni Schöpf und Theresa Schuh, 6b)

 

Die Moni, der Michael und der Paul

Ein lüsterner Blick schlich über Monis Gesicht, als der Duft des neuen Schülers, Paul, den Klassenraum betrat. Moni war in ihrer Klasse eine Außenseiterin, weil sie ja angeblich ihre Kindheitsliebe, den Toni, mit Michael betrog. Dieser teilte ihr Gefühl bei Pauls Anblick, ein Grinsen kam auf seine Lippen. Noch dazu war der einzige freie Platz in der ersten Reihe und damit direkt vor Moni. Paul warf einen Blick in Richtung Moni, obwohl alle sagten, dass sie eine Schande für das ganze Dorf wäre. Moni warf Paul einen Zettel mit einer romantischen Botschaft zu, dieser ihr einen fragenden Blick. Es war ein tragisches Missverständnis – direkt hinter Monis Platz befand sich der von Michael. Paul drehte sich um, warf Paul einen Luftkuss zu, und Moni versank vor Scham im Boden. Schließlich kam es zum Unausweichlichen – Paul und Michael waren das neue Traumpaar des Ortes. Die Bewohner hatten sich für Moni schon immer eine Bestrafung gewünscht. Diese hatte sie nun bekommen.

(Von Clemens Miloczki, Dominik Gruber, Elias Eisner, Philipp Strommer und David Hauck, 6b, Raffi Riedl und Leo Sferdean, 6a)

 

Moni und Toni in zehn Jahren – Klischees andersrum

Nach einem anstrengenden Arbeitstag wünscht man sich nichts mehr als ein gutes Abendessen, bereits dampfend auf dem Tisch stehend, wenn man heim kommt, danach ein, zwei, vier Bier vor dem Fernseher, während man sich eine neue Folge der Serie „Frau sucht Bauer“ ansieht. Vor dem Schlafengehen gönnt man sich zu den lieblichen Klängen von Udo Jürgens’ „Der Mann ist das Problem“ ein Gläschen Verdauungsschnäpschen.

Doch in der Realität muss man die flache Hand leider öfter erheben, als einem lieb ist – wenn einem statt Udo Jürgens die Chöre der plärrenden Kinder entgegen schallen, sobald man das Haus betritt, wenn einem statt des erwarteten Geruchs von Schnitzel und Pommes der liebliche Gestank von Hundekot auf dem neuen Teppich in die Nase strömt.

So hat man keine andere Wahl, als den Mann mit einer gesunden Watschen zu disziplinieren. Es ist ja nur zu Tonis Bestem.

(Von Laura und Theda Schöchtner, Bianca Resel, Lea Resch, Hannah Schopf und Jakob Janisch, 7b)

 

Eine dörfliche Idylle

 

31.1. Familien-Verhältnisse

Moni schreit, ihr Vater drischt auf sie ein.

„Du dumme Schlampe, hättest du nicht besser aufpassen können? Was soll ma mit dem elendigen Bastard machen?“

„Was hätte ich denn tun sollen, da Toni hat mich vergewaltigt!“

„Aber du hättest ja ned schwanger werden müssen! Und was soll er denn machen, wennst so an kurzen Rock anhast?“

Moni versucht wegzukriechen, doch der besoffene Vater hält sie fest. Moni will ihn wegstoßen, greift nach einer leeren Bierflasche und holt aus. Doch der Vater fängt sie ab.

„Du wagst es, die Hand gegen mich zu erheben?“

Er schlägt mit dem Gürtel auf sie ein, bis Moni wimmernd in der staubigen Küchenecke liegt.

Weil derartige Szenen in einem idyllischen Dorf wie Schöngrabern an der Rauscher natürlich nicht passieren dürfen, trägt Moni in den nächsten Tagen nur lange Sachen.

 

32.2. Moni überbringt Toni die freudige Nachricht

Am Sonntag nach der Kirche versucht Moni, Toni aus dem Weg zu gehen. Doch Toni fängt sie ab und hält sie am Arm fest.

„Was gehst ma aus dem Weg, das im Maisfeld vor zwei Monaten hat dir ja auch g’fallen!“

„Ma Scheiße, Toni, ich bin schwanger!“

„Na, wer weiß, ob das überhaupt von mir is!“

(Von Lisa S. Frühwirth, Hannah M. Foltas, Magdalena Prkna und Denise Ponholzer, 8b, und Alexander Hartenstein, 8a)

 

Toni und Mono in 50 Jahren: Weihnachtszauber

 

Schon wieder ist es Weihnachten. Statt weißer Weihnacht regnet es aber schon seit Stunden. Auch ist das Zimmer noch mit dem Osterschmuck des letzten Jahres anstatt des Weihnachtsschmucks dekoriert. Der einzige passende Schmuck ist der Christbaum. Doch auch der gleicht mehr einem vertrockneten alten Strauch.

„Moni, wo sind die Christbaumkugeln?“, rufe ich, doch sie antwortet mir nicht und ruft stattdessen aus der Küche: „Liebling, hast du schon den Karpfen besorgt?“

Genervt verdrehe ich die Augen. Moni weiß genau, dass ich Karpfen nicht ausstehen kann.

„Ich dachte, es gibt heuer zur Abwechslung mal eine Gans!“, rufe ich.

Doch Moni antwortet wieder nicht.

„Gut, dann fahre ich nochmals in Büro!“, rufe ich und bin schon auf dem Weg in die Garage.

„Heute hat doch gar kein Büro geöffnet, kümmere dich lieber um die Gästezimmer, du weißt, heute kommen Max und Mona mit ihren Kindern!“

Leier hat sie Recht. Ich werfe die Tür zur Garage wieder zu und begebe mich, leise fluchend, zu den Gästezimmern in unserem Haus. Währenddessen schmückt Moni den Strauch.

Schon nach kurzer Zeit klingelt es an der Tür. Mit einem gespielten Lächeln laufe ich hin und begrüße meine Enkel, meinen Sohn und die Schwiegertochter.

„Das riecht aber gut hier“, sagt Mona und schafft mir an, die Koffer ins Haus zu tragen. Allmählich ist mein Geduldsfaden überspannt. Doch da kommt Max und hilft mir mit den Koffern.

Kurz danach wird der Ablauf des restlichen Tages bekannt gegeben, den ich schon seit Jahren nicht mehr hören kann. Da verkündet meine heißgeliebte Frau: „So, meine Lieben: Um 17 Uhr ist das Weihnachtsessen angerichtet, um punkt 19 Uhr beginnt die Bescherung. Um 22 Uhr gehen wir in die Mette. Und dann ist Ruhe.“

Ich halte mich, wie jedes Jahr, an die Regel der Höflichkeit und esse den Karpfen, wenn auch sehr widerwillig. Dann ist Bescherung. Mona, meine Schwiegertochter, kommt zu mir. Sie gibt mir ein schön verpacktes Paket. „Es ist etwas, das du nach deiner Pensionierung nächsten Mai einlösen kannst.“

Da laufe ich heiß. Sie weiß, dass ich meine Arbeit als Filialleiter in einem A1-Shop liebe und nichts mehr fürchte als meine Pensionierung. Trotzdem enthalte ich mich böser Worte und packe das Geschenk aus. Es ist ein Gutschein von „mydays@“ für ein Romantikwochenende im Tauernspa Kaprun. Als Mona hinzufügt, dass ich natürlich mit Moni fahren soll, platzt mir doch der Kragen. Genervt und böse Worte murmelnd, verlasse ich das Wohnzimmer.

(Von Johannes Gaisfuss, Florian Lembacher und Nico Ullreich, 6b)

 

Der Mord im Dorf

 

Personen:

DJ Gipfelkreuz, veranstaltet eine Castingshow im Dorf

Rosi, die Wirtin

Liesel, Rosis Tochter, traumatisiert

Fridolin, ihr imaginärer Freund

Sepp, ein Trunkenbold

Uwe, ein naiver deutscher Tourist, in eine Schlucht gestürzt

Frank, ein Holzfäller*

Karl, ein Schweinezüchter*

* glauben beide, Liesels Vater zu sein

Pater Peter, der lokale Pfarrer

Amira, eine Kommissarin, ermittelt wegen Mordanschlägen auf DJ Gipfelkreuz

Andreas Gabel, ein Sänger

 

Letzte Szene: „Mein idyllisches Bergdorf“

 

Das ganze Dorf ist beim Finale der Castingshow versammelt. Der Gewinner soll gerade bekanntgegeben werden, da steht plötzlich Amira im Raum.

Amira: Stoppt die Show!

DJ Gipfelkreuz: Was soll das? Runter von der Bühne!

Amira, reißt dem DJ das Mirofon aus der Hand: Ich habe den Fall aufgedeckt! Ich weiß, wer Uwe getötet hat!

Rosi: Lügnerin! Uwe ist verunglückt!

Amira: Das hättest du wohl gern! Uwe wusste von einem Geheimnis, das niemals gelüftet werden sollte, und bezahlte dafür mit seinem Leben. Als er im Wirtshaus war, hat ihm Sepp etwas erzählt: Weder Frank, noch Karl ist der Vater von Liesel. Rosi wollte seine wahre Identität vertuschen, um weiterhin Unterhaltszahlungen von beiden zu erhalten. Bisher hat niemand Sepp die Geschichte geglaubt, weil jeder weiß, dass er immer betrunken ist. Doch Uwe hat sie für bare Münze genommen.

Frank und Karl, gleichzeitig: Und wer ist jetzt der Vater??

Amira: Andreas Gabel!

Die Dorfgemeinschaft schnappt entsetzt nach Luft.

Andreas Gabel: Nein, das kann nicht sein! Glaubt dieser Lügnerin nicht!

Er stürzt aus dem Raum.

Amira: Um Uwe zum Schweigen zu bringen, bot Rosi ihm eine gemeinsame Bergtour an. Auf dieser stieß sie ihn in eine tiefe Schlucht, wo er tödlich verunglückte.

Rosi: Halt jetzt deine Pappn! So ab Bledsinn!

Sepp: Und was ist mit den Mordanschlägen auf DJ Gipfelkreuz?

Rosi, leicht panisch: Liesel, ausse mit dia, des is nix für a Kind!

Amira: Rosi, du hasst DJ Gipfelkreuz, weil er deine Tochter sexuell belästigt hat. Deshalb wolltest du ihn ebenfalls umbringen.

Pater Peter: Stopp!

Er sinkt dramatisch auf die Knie und beginnt zu beten.

Pater Peter: Womit habe ich das verdient, Pfarrer von dieser schändlichen Gemeinde zu sein? Was ist mit meinem idyllischen Bergdorf passiert?

(Von Sarah Wazlawik, Katharina Porod und Marlene Wazlawik, 7a)

 

Eine Familienidylle

 

Der Pepi-Opa ist tot. Die Familie sitzt beisammen. Die meisten sind aber nicht gekommen. Die Oma stellt das Reindl mit Schinkenfleckerln auf den Tisch.

Oma: So, da habt’s.

Sepp bedient sich sofort.

Sissi: Super, geduldig bist wieder, Onkel!

Sepp: Gib an Frieden!

Gerhard: Mama, bringst ma was zu trinken?

Luise (teilt Essen aus): Mahlzeit alle miteinander!

Sophie: Mir bitte nicht!

Oma: Geh Bua, sag deiner Freundin, sie soll sich zamreißen.

Luise: Ich mach da später was Vegetarisches.

Stille, alle außer Sophie essen.

Oma, in die Stille hinein: Also eigentlich bin ich ja ganz froh.

Sissi und Luise: Mama!

Sepp nimmt einen großen Schluck Bier und knallt das Glas auf en Tisch.

Sepp: I glaub, i spinn!

Oma: Was is?

Sepp: I – glaub – I –spinn! Jetzt ist er grad unter da Erd und du redst schon deppat!

Gerhard: Bitte alles mit der Ruhe! Wir wollen heute nicht streiten.

Oma: Du hoit di do ganz raus! Du Gscheata mit dem Vegana-Pupperl!

Sepp nimmt einen Schluck Bier.

Sepp: Geh Traude, imma sudan, er woa eh so geduldig. Damit hast ihn ins Grab bracht.

Er schenkt sich Bier nach.

Sissi: Geh du, du hast ja auch imma gesudert, du alter Säufer!

Sepp: Wissts was, jetzt leckts mi doch alle in Oasch!

Er geht ab und knallt hinter sich die Tür zu.

(Von Leonhard Patoschka, Caroline Gruber, Eliabeth Hyza, Jana Blaim und David Lischka, 7a)