Spurensuche

 

Von Peter Schnaubelt (Text und Fotos)

„Das war heute fast schon Hochschulniveau!“ So lautete der Kommentar einer Kollegin im Anschluss an jene zwei Stunden, in denen die Autorin Hanna Sukare im Rahmen des heurigen Lesefestes für die 7. und 8. Klassen an unserer Schule zu Gast war. Zusammen mit dem Journalisten Esche Schörghofer, der zum Teil die Recherche für ihren Roman Schwedenreiter übernommen hatte, erzählte sie mit großer Empathie von Deserteuren und Wehrdienstverweigerern im Zweiten Weltkrieg – und der zuweilen schockierenden Art und Weise, wie diese Menschen auch nach Ende des Krieges zuweilen behandelt wurden.

Basierend auf wahren Ereignissen aus dem Salzburger Ort Goldegg entwickelt die Autorin in ihrem Roman eine fiktionale Geschichte, die mit ihrer glasklaren, knappen und immer in die Seele ihrer Figuren treffenden Sprache den Irrsinn nationalsozialistisches Gedankenguts auch in unseren Tagen offenlegt. Dr. Erich Rabl, Horner Historiker und ehemaliger Lehrer an unserer Schule, gab uns zudem einen fundierten und mit Detailwissen gespickten Einblick in den hiesigen Umgang mit jüdischen Einwohnerinnen und Einwohnern und stellte für die Jugendlichen den direkten Zusammenhang mit ihrer persönlichen Lebensumwelt her. Und auch Kollegin Mag. Liesa Roithner wusste Berührendes über ihren Großvater, ebenfalls einen Deserteur, der sich noch Jahre nach dem Kriegsende aus Furcht vor Gewalt versteckt hielt, zu berichten.

Insgesamt waren dies zwei Stunden einer intensiven Spurensuche in die Vergangenheit, die – ganz im Sinne der Bedeutung von Geschichtsforschung – unser Verständnis für die Gegenwart zu stärken vermochte.  Und eben, wie gesagt, auf einem Niveau, das wohl das Interesse vieler Jugendlicher hervorzurufen vermochte und insgesamt auch für das Niveau unserer Schule spricht.