Geschenk in beide Richtungen

Karl Markovics zu Gast an unserer Schule

Nach seiner eigener Aussage war es schon mehrere Jahre her, das Karl Markovics bei einer Veranstaltung in einer Schule zu Gast war. Umso größer war die Freude, als es mir gelang, den Schauspieler, Autor und Regisseur, bekannt etwa durch seine Hauptrolle in dem Oscarfilm Die Fälscher, für einem Besuch an unserer Schule zu gewinnen. Am Dienstag, dem 8. Oktober, war es soweit.

Geboren wurde die Idee dieser Einladung bei einem Gespräch auf der Burgruine Dobra Ende Juni, bei dem mir Markovics sein Kommen zusagte. Doch bei der vereinbarten Lesung sollte es nicht bleiben. Anlässlich des Kinostarts von Markovics' neuestem Film Nobadi hatten die Schülerinnen und Schüler der 7. und 8. Klassen Gelegenheit, den Streifen im Stadtkino anzusehen. Die Geschichte über das Zusammentreffen eines jungen afghanischen Flüchtlings und eines alten Mannes, der sich als ehemaliger Sanitäter in einem KZ der Nationalsozialisten entpuppt, ist eine überaus intensive und wahrlich an die Nieren gehende Filmerzählung. Aus Altersgründen gab es für die 5. und 6. Klassen einen anderen Film. Sie erlebten eine Aufführung von Markovics' Erstlingswerk als Regisseur, dem nicht minder faszinierenden Film Atmen, in dem es um den Weg eines jugendlichen Straftäters zurück in die Gesellschaft geht. Anschließend an die Vorführungen stand Markovics den Schülerinnen und Schülern für ein ausführliches Filmgespräch zu Verfügung. Schon dabei zeigte er sich von der hohen Konzentration und den durchdachten und anregenden Fragen und Beiträgen der Jugendlichen angetan.

Dieser Eindruck sollte sich beim zweiten Teil des Vormittags sogar noch vertiefen, als uns der Gast in den Genuss seiner Darstellungskunst kommen ließ. Im Rahmen einer Lesung mit anschließender Diskussion trug Markovics auf überaus mitreißende Weise Stellen aus Werken österreichischer Autorinnen und Autoren, darunter Friederike Mayröcker, Ernst Jandl und Thomas Bernhard, vor. Keine einfache, sondern den Intellekt des jungen Publikums fordernde Literatur – und abermals war Markovics' Begeisterung über das Interesse und die Diskussionsfähigkeit der Lernenden groß. Als „intensive Begegnung“ empfanden in diesem Sinne nicht nur wir als Publikum, sondern auch Karl Markovics selbst die gemeinsamen Stunden. Spontan verzichtete er auf sein Honorar für die Lesung und stellte es für weitere Veranstaltungen unserer – in seinen eigenen Worten – „großartigen Schule“ zur Verfügung. „Es wäre mir eine große Freude“, so Markovics in einer E-Mail, die ich noch am selben Nachmittag erhielt, „wenn ich diesen Vormittag als Geschenk in Erinnerung behalten kann – sowohl in die eine, als auch in die andere Richtung.“ Ein größeres Kompliment kann man unseren Schülerinnen und Schülern wohl kaum machen.

Text: Peter Schnaubelt

Fotos: Paul Gräff, Peter Schnaubelt, Manuela Kopper